Hallo ihr,

Gestatten- Café!
Unser Kollektiv gibt es seit September 2012 und besteht aus sechs weißen1 Menschen (davon: vier weiblich und zwei männlich sozialisiert), die sich in den Kopf gesetzt haben, ein veganes Café in Köln Kalk auf die Beine zu stellen. Bisher sind wir an zwei interessanten Objekten dran und schreiben fleißig Businessplan.

In diesem Blog werden wir nach und nach alle interessanten Infos über uns und das Projekt zusammenstellen.
Wir sind offen für Diskussionen/Kritik und wollen das Café so gestalten, dass ihr mitbestimmen könnt, was ihr in Kalk wollt und was euch wichtig ist.
Also schreibt uns fleißig Kommentare!

Fatsch – Selbstverständnis

*Warum Kollektiv?*
Wir bezeichnen uns selbst als Arbeits-Kollektiv. Nur, was meinen wir eigentlich damit? Kurz gesagt: es gibt keine*n Chef*in. Lang gesagt: Alle vier haben gleiches „Stimmrecht“. Doch abgestimmt wird nicht. Wir treffen alle Entscheidungen im Konsens, das heißt, alle müssen einverstanden sein in welcher Farbe wir streichen, welche Getränke wir für das Café bestellen, wie wir mit Geld umgehen etc. Wenn sich eine*r mit einer Entscheidung nicht wohlfühlt, dann finden wir eben eine andere. Im Zweifelsfall dauern Entscheidungsfindungen dann länger und es müssen manchmal kreative Kompromisslösungen her.
Der Mehrwert ist für uns aber klar: Keine*r muss alleine große Entscheidungen treffen, keine*r ist allein mit Verantwortung. Vier Menschen haben viermal so viele Ideen und Fähigkeiten wie ein Mensch. Wir verteilen Aufgaben idealerweise nach dem persönlichen Ermessen jeder Person (wie viel Kapazitäten habe ich?) und haben den Anspruch Hierarchien abzubauen, die in der Gesellschaft an der Tagesordnung sind: „Der Chef gibt den Ton an und das Servicepersonal folgt.“ Wir sind uns gegenseitig auch emotionale Stütze und könnten das Projekt nicht stemmen, wenn wir nicht auch befreundet wären. Der soziale Aspekt wiegt für uns mehr als der professionalisierte Teil der Arbeit, der nur gut funktioniert, wenn wir ein gutes Gefühl zu uns und zur Gruppe haben.
Aber auch wenn wir innerhalb des Kollektives möglichst hierarchiefrei arbeiten, wird es alleine durch die Tatsache, dass wir die rechtliche und finanzielle Verantwortung für das Projekt tragen, nur schwer sein Hierarchien zwischen dem Kollektiv und Menschen, die mit uns arbeiten, komplett zu vermeiden. Wir haben den Anspruch diese Hierarchien im Café-Alltag abzubauen und Menschen in Entscheidungen und Prozesse weitgehend mit einzubeziehen. Wir sehen uns auch nicht als geschlossen Gruppe, sondern sind offen dafür im Kollektiv zu wachsen. Unser Anspruch ist es, einen Gegenentwurf zu klassischen Arbeitsverhältnissen zu schaffen und existierende, wie z.B. zapatistischen Kaffeeproduzent*innen, zu unterstützen. Zudem verwenden wir möglichst ökologisch und fair produzierte Lebensmittel, ohne dass wir deswegen höhere Preise haben. Sollte das Café-Projekt finanziell so gut laufen, dass wir uns als Kollektiv Geld auszahlen, werden Personen, die mit uns arbeiten, nach dem gleichen Lohnmodell bezahlt wie wir. Außerdem haben wir den Anspruch die am Projekt Beteiligten in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, diese aber mindestens transparent zu machen.

*Warum ein Café in Kalk?*
Wir leben in Kalk und fühlen uns hier wohl und so ein Café, in das wir gehen wollen, gab es bisher nicht und dann hatten wir Lust selbst so ein Café zu werden! Kalk befindet sich im Wandel. Das wissen alle, die hier leben oder sich viel hier bewegen. Die sogenannte „Aufwertung“ des Stadtteils Kalk bewirkt, dass z.B. Mieten teurer werden. Die Menschen, die sich diese Mieten nicht leisten können, werden aus dem Stadtteil verdrängt und er soll schicker und attraktiver für die weiße Mittel- und Oberschicht werden. Wir können nicht abstreiten mit unserem Projekt durchaus zu diesem kritischen Prozess beizutragen, denn wir entspringen selbst dieser weißen Mittelschicht. Wir werden somit immer wieder mit der Widersprüchlichkeit unseres Café-Projektes konfrontiert.
Auf der einen Seite einen linkspolitischen Raum für viele verschiedene Menschen und deren Ideen zu schaffen, günstige Produkte anbieten zu können und Vernetzung mit vielen verschiedenen Gruppen in Kalk in Angriff zu nehmen. Auf der anderen Seite die Logik des Kapitalismus mit Miete, Gewinn, Umsatz, Schulden und der Frage, woher die Zeit für intensive Vernetzungsarbeit und inhaltliche Auseinandersetzung kommen soll. Denn wenn wir ehrlich sind, können wir dem nicht gerecht werden. Unser Café-Projekt ist, neben anderer politischer Arbeit, Lohnarbeit sowie Freundschaften in unserer Freizeit entstanden und so wird es auch erst mal bleiben. Eine Auflösung dieses Widerspruchs zwischen politischem Idealismus und kapitalistischer Realität gibt es nicht und somit auch kein Patentrezept.
Wir wollen versuchen die Veränderungen in Kalk zu nutzen, um das Café nicht nur für weiße, hetero, körperlich unversehrte, Mittelschichtakademiker_innen, wie wir es zum Großteil sind, gemütlich, einladend und interessant zu machen. So werden wir zum Beispiel dafür sorgen, dass unsere Flyer, Texte und Aufrufe in verschiedene Sprachen übersetzt sind, sodass wir auch Menschen ansprechen, deren (Erst-)Sprache nicht Deutsch ist. Sexistische Macker fliegen raus! Wir wollen auch nicht-heteronormativen, nicht weißen Themen Raum geben (durch Lektüre, Filmvorführungen, Diskussionen). Auch in diesen Punkten werden wir nicht perfekt sein und Zeit und Kapazitäten werden uns fehlen, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Wenn euch Inhalte fehlen und/oder ihr eure Ideen umsetzen wollt, sprecht uns an! Unser Café soll kein ausschließender Raum sein. Wir sind uns aber darüber im Klaren, dass unsere recht homogene Gruppenzusammensetzung andere Perspektiven außen vor lässt und wünschen uns Input, Kritik und eine aktive Auseinandersetzung.

*Warum vegan?*
Obwohl nur die Hälfte unseres Kollektivs vegan lebt, haben wir uns entschieden ein veganes Café zu eröffnen. Es gibt zahlreiche Wege, die Menschen zum Thema Veganismus führen können. Auch wir vier verbinden bestimmt Verschiedenes damit und für jede_n von uns spielt Veganismus eine verschieden wichtige Rolle, aber ein Wunsch verbindet uns alle: Alternativen aufzuzeigen.
Wir wollen zeigen, dass eine rein pflanzliche Ernährung leicht möglich ist und sehr lecker sein kann. Und dass es vielleicht gar nicht bemerkt wird, dass der soeben konsumierte Kaffee oder das Stück Torte weder Milch noch Ei enthalten haben. Wir wollen etwas Anderes anbieten. Kein hundertstes Café, das auf Mensch-Tier-Herrschaft basiert, weil davon ausgegangen wird, dass es sonst nicht schmeckt. Und gerade die erhoffte Vielfalt unserer Besucher_innen macht für uns den Reiz und die Freude aus, die uns antreibt. Wir wollen auch kein Ort sein an dem nur vegan konsumiert wird, ohne „Tiere“ überhaupt zu erwähnen. Denn auch vegan lebende Menschen machen das Vegan-Sein oft zu einer reinen Lebensstilfrage.
Unser politisches Selbstverständnis beinhaltet ein für uns wichtiges Argument: Hierarchien mit ausbeuterischen Verhältnissen so weit wie möglich abschaffen bzw. nicht unterstützen zu wollen. Diese Ausbeutung hört nicht unbedingt bei Menschen auf. In unserer Gesellschaft werden Tiere in Gefangenschaft gehalten, um sich von unbefruchteten Eiern, Muttermilch und dem Fleisch derer, die diese Produkte nicht mehr wirtschaftlich effizient genug liefern oder deren Leben der Industrie keinen Nutzen mehr bringt, zu ernähren oder ihre Haut, Knochen und Felle zu nutzen. Dies wird als Normalität und sogar Natürlichkeit konstruiert. Neben der Frage nach der ethischen Vertretbarkeit bleibt die nach der Natürlichkeit, wenn ein erwachsener Mensch die Muttermilch einer Kuh trinkt oder die Menstruationsprodukte einer Henne isst.
Dazu kommen verschiedene Aspekte aus den Bereichen der Gesundheit, der Umweltzerstörung und der Weltwirtschaftspolitik. Im Bücherschrank in unserem Café könnt ihr – neben Büchern zu anderen Themen – auch verschiedene Bücher über Veganismus finden.

*Why a collective?*

We define ourselves as a work collective.
Now, what do we mean by this?
In short: there is no boss.

In detail: All four of us have the same voting power, except there is no voting. All decisions are made by consensus. That means, all must agree with which colour we paint the door in, which beverages we order for the cafe, how we want tohandle money and so on.
If anyone of us is uncomfortable with a decision, then we make another decision. In case of doubt decision makings take longer and sometimes there is need for creative compromises.
But for us the benefits are obvious: Noone has to make big decisions by themselves, noone is alone with responsibility. Four humans have four times as many ideas and skills as just one human.

Ideally we allot tasks according to our own estimations (what are my capacities?) and we have the claim to deconstruct hierarchies which are on the agenda of mainstream society:
„The boss advises and the employees follows.“

We also give emotional support to each other and could notfurtherour project if we were not friends as well. The social aspect outweighs the professional part of the the work, which indeed functions only as long as we have good feelings about us and our group.
But even if we were free of hierarchies within the collective, it will be hard to avoid hierarchies between us as the collective and the people who help us out because of the legal and financial responsibility we bear.
Yet we want to deconstruct the hierarchies in the cafe’s daily routine and to involve people in decision making and processes as far as possible.
We are not a closed group. We are open to grow as a collective. We want to create a blueprint that opposes classical work relations.
If and when the cafe-project runs so well financially that we make profit, then we will decide together with all people who work in the café what to do with that money.

*Why a cafe in Kalk?*

As we live in the district of Kalk, feel comfortable here yet were missing a nice café where we would want to go and hang out, we decided to become that café ourselves.

Kalk is undergoing change. Everyone who lives or acts here knows that.
The so called „valuation“ or „gentrification“ of the district Kalk causes rents to skyrocket. People that cannot afford these rents are being pushed out of the district as it is becoming increasingly chic and attractive for the white middle and upper classes.
We cannot deny that by our project we make a contribution to this critical process, as we ourselves contribute to a white middle class culture.

Thus we are confronted with the inconsistence of our café project again and again. The desire to create a political left space for many different people and their ideas, to offer cheap products and to network with numerous different groups in Kalk on the one hand. On the other hand the logic of capitalism with its rent, profit, sales volume, liabilities and the question where the time for intensive work on interlinking and discussions with regards to content shall come from. Let’s face it: we cannot live up to that. Our cafe-project was initiated as a project next to other political projects, wagework and friendships. And this is what it will be to begin with.

These contradictions between political idealism and capitalist reality cannot be solved tomorrow l. We will try to use the changes in Kalk to make the caf a comfortable, inviting and interesting place, not only for white, heterosexual, abled middle class academics, as we in large part are. E.g. we will arrange for translations of flyers, texts and calls, in order to address people who do not speak German as their (first) language.

In addition, we have a (pro)feminist stance. Once a month the cafe will be opened for FLTI* (women, lesbians, transsexual, intersexual persons) only.
We want to give space to non-heteronormative, non-white, non-male topics. The aim is to create a sensitive and safe place for these topics. Please respect that!

In all these points we will mostlikely not be perfect and we will be lacking time and capacities tolive up to all of our self-set standarts . If you miss topics and/or if you want to implement your ideas, just speak to us!
We want our café tonot be an excluding place. Yet we know that our quite homogenous group formation ignores other perspectives and we wish input, criticism and active debate.